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Bei der Betrachtungsweise von Menschenbildern,
zu Fotoarbeiten von Günter Ludwig
Da hat einer den Stift und die Radiernadel vertauscht mit dem Fotoapparat. Bei vielen Künstlern war und ist das Foto Vorstufe, Anstoß zur Zeichnung oder Radierung, zum Bild - hier verlief die Entwicklung umgekehrt. Ein Grund hierfür ist wohl der Zwang zur Serie: der manische Zwang, eine Person zu umkreisen, einzufassen, sie einkreisend zu erkennen. Damit letztendlich auch der Drang zur Besitznahme, um das flüchtige Abbild im eigenen Sinne neu zu schaffen.
So retuschiert Günter Ludwig den Film nach seiner Intuition; das mühselig in vielen Stunden des Suchens erstellte Negativ wird "zerkratzt" (hier kommt neben anderen ungewöhnlichen Instrumenten auch wieder die Radiernadel zum Einsatz), zerschnitten, zerknüllt, zerknittert. Hier gilt die spontane Äußerung, der Einfluß der Zen-Kunst wird spürbar: das Werk entspringt der Tiefe des Unbewußten. Der Eingriff ins schon vorgestaltete Gefüge des Negativs vollzieht sich spontan, und die momentane Stimmung zeigt sich im Spurenriß der Hand; die Ästhetik des Gefühls dargebracht auf der oft toten Fläche der üblichen Fotografie.
Erotik, Sex, Brutalität brechen hervor und werden zum Schild vor der Verletzlichkeit des Künstlers. Günter Ludwig arrangiert nicht blutleer bildnerische Zeichen, sondern greift mit Stärke und Sensibilität ins semantische Kästchen der Seele, gebärdet sich gottähnlich, trotz des Wissens um die Vergeblichkeit seines Tuns.
Ein barocker Künstlertypus feiert das abendländische Menschenbild mit dem möglichen/zwangsläufigen Untergang desselben im Blick.
Wenn Ludwig die inneren Bilder bearbeitet, dann "fließt der ganze verfluchte Strom des Lebens durch ihn hindurch" und was ihn bewegt, ist ein starker Lebenshunger, ist das Gefühl für die Bedeutung jeder scheinbaren Nichtigkeit und ist eine aufgeschlossene Haltung für das Leben und die Beziehung der Dinge untereinander.
Germund Mielke, Braunschweig 1985

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Germund Mielke,
1954 geb., Autor verschiedener Bücher, Grafiker und Multimediadesigner. Mielke kennt Günter Ludwig seit 1975. Viele Jahre haben sie sich gemeinsam entwickelt, ergänzt und zusammen ausgestellt. Ein geistig unzertrennbares Paar.
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